+++ Lesung mit Chris Inken Soppa _07.12.2017 um 19.30 Uhr_Der Felsengarten – Stimmen der Aran-Inseln_ IM FACHWERK11_SCHLOSS STR. 11;Salem_ +++ Der Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg verleiht den Thaddäus-Troll-Preis 2016 an die Autorin Felicitas Andresen für ihren im Verlag Klöpfer & Meyer erschienenen Roman „Sex mit Hermann Hesse.“.***

Ein Ausflug nach Tübingen
ein Ausflug in die Gegenwart und in ein anderes Jahrhundert

 
   
   


 
Eduard Mörike

Mörike wurde am 8.9.1804 in Ludwigsburg geboren. Dort besuchte er die Lateinschule und ab 1818 das Seminar in Urach. 1826 begann er seine Tätigkeit als Vikar in Nürtingen, 1827/1828 arbeitete er als Redakteur bei einer Zeitschrift. Von 1834-1843 war er Pfarrer im Ort Cleversulzbach. Mörike wurde vorzeitig pensioniert, er war dann unter anderem Literaturlehrer in Stuttgart, 1855 Hofrat und er erhielt 1856 eine Professur. Ab 1871 lebte er wieder in Stuttgart. Mörike starb am 4.6.1875 in Stuttgart. Viele lebenslange Freundschaften Mörikes gehen auf seine Seminarzeit zurück, was ihm diese Zeit im Rückblick verklärt hat: so im Gedicht von 1827 über einen zwei Jahre zurückliegenden Besuch in Urach. In Tübingen gehörten zu seinen Studienfreunden einerseits Wilhelm Waiblinger, der ihm auch Kontakt zum alten Friedrich Hölderlin verschaffte.
 
Im Park

Sieh, der Kastanie kindliches Laub hängt noch wie der feuchte
Flügel des Papillons, wenn er die Hölle verliefl;
Aber in laulicher Nacht der kürzeste Regen entfaltet
Leise die Fächer und deckt schnelle den luftigen Gang.
- Du magst eilen, o himmlischer Frühling, oder verweilen,
Immer dem trunkenen Sinn fliehst du, ein Wunder, vorbei.
 

Ludwig Uhland

Ludwig Uhland wurde am 26. April 1787 in Tübingen geboren. Er studierte 1802-1808 Jura und Sprachen in Tübingen. Gemeinsam mit K. Maier und J. Kerner stellte Uhland noch während seiner Studienzeit dem Morgenblatt für gebildete Stände ein handschriftliches "Sonntagsblatt für ungebildete Stände" entgegen. Während eines Studienaufenthalts in Paris (1810/1811) beschäftigte er sich mit alten französischen und deutschen Handschriften. 1810-1814 war er Sekretär im Justizministerium, sodann Rechtsanwalt in Stuttgart. Staatsbeamter konnte er aber nicht werden, da er es ablehnte, dem König, der 1805 widerrechtlich den Landtag aufgelöst hatte, den Eid zu schwören. Er wurde 1829 Professor für deutsche Sprache und Literatur in Tübingen. Er legte 1838 seine Professur nieder und arbeitete als Privatgelehrter. Uhland starb am 13. November 1862 in Tübingen.
 
Maientau
 
Auf den Wald und auf die Wiese,
Mit dem ersten Morgengrau,
Träuft ein Quell vom Paradiese,
Leiser, frischer Maientau;
Was den Mai zum Heiligtume
Jeder süssen Wonne schafft,
Schmelz der Blätter, Glanz der Blume,
Würz und Duft, ist seine Kraft.
 
Wenn den Tau die Muschel trinket,
Wird in ihr ein Perlenstrauss;
Wenn er in den Eichstamm sinket,
Werden Honigbienen draus;
Wenn der Vogel auf dem Reise
Kaum damit den Schnabel netzt,
Lernet er die helle Weise,
Die den ernsten Wald ergetzt.
 
Mit dem Tau der Maienglocken
Wascht die Jungfrau ihr Gesicht,
Badet sie die goldnen Locken,
Und sie glänzt von Himmelslicht;
Selbst ein Auge, rot geweinet,
Labt sich mit den Tropfen gern,
Bis ihm freundlich niederscheinet,
Taugetränkt, der Morgenstern.
 
Sink denn auch auf mich hernieder,
Balsam du für jeden Schmerz!
Netz auch mir die Augenlider!
Tränke mir mein dürstend Herz!
Gib mir Jugend, Sangeswonne,
Himmlischer Gebilde Schau,
Stärke mir den Blick zur Sonne,
Leiser, frischer Maientau!
 

Friedrich Hölderlin

Friedrich Hölderlin wurde am 20.3.1770 in Lauffen am Neckar geboren. Sein Vater war ein Klosterpfleger, die Mutter Pastorentochter. Er erhielt eine pietistische Erziehung durch Mutter, Großmutter und Tante. Bis 1784 besuchte er Schulen in Nürtingen und Denkendorf. Da er von den Eltern zum Theologen bestimmt war, besuchte er das Seminar in Maulbronn, von 1788 bis 1793 studierte er am Theologischen Seminar in Tübingen. Hölderlin war mit Hegel und Schelling befreundet. Er hatte eine wachsende Abneigung gegen den Pfarrerberuf und wurde 1793/94 auf Empfehlung von Schiller Hauslehrer bei Charlotte von Kalb in Waltershausen, Thüringen. 1794 besuchte er die Universität in Jena. Er erhielt 1796 eine Stelle als Hauslehrer bei dem Frankfurter Bankier Gontard. Die schwärmerische Liebe zu dessen Gattin Susette (die von dieser erwidert wurde) endete, weil Gontard die Trennung der beiden erzwang. 1797 Begegnung mit Goethe. 1800 Stuttgart und Nürtingen. 1802 Hauslehrer in der Schweiz. 1802 in Bordeaux; 1802-1804 völlig zerrüttet und krank bei seiner Mutter. 1804 durch Vermittlung von Isaac von Sinclair, einem langjährigen Freund, Bibliothekar in Homburg. 1806 Heilanstalt Tübingen; seit 1808 in geistiger Umnachtung, seit 1807 in Pflege des Tischlerehepaares Zimmer, wo er bis zu seinem Tode hindämmerte. Hölderlin starb am 7.6.1843 in Tübingen.
 
Der Frühling

Wenn auf Gefilden neues Entzücken keimt
Und sich die Ansicht wieder verschönt und sich
An Bergen, wo die Bäume grünen,
Hellere Lüfte, Gewölke zeigen,
 
O! welche Freude haben die Menschen! froh
Gehn an Gestaden Einsame, Ruh und Lust
Und Wonne der Gesundheit blühet,
Freundliches Lachen ist auch nicht ferne.
 


Burg Tübingen
 
Still und öde steht der Väter Feste,
Schwarz und moosbewachsen Pfort' und Turm,
Durch der Felsenwände trübe Reste
Saust um Mitternacht der Wintersturm,
Dieser schaurigen Gemache Trümmer,
Heischen sich umsonst ein Siegesmal,
Und des Schlachtgerätes Heiligtümer
Schlummern Todesschlaf im Waffensaal.
 
Hier ertönen keine Festgesänge,
Lobzupreisen Manas Heldenland,
Keine Fahne weht im Siegsgeprünge
Hochgehoben in des Kriegers Hand,
Keine Rosse wiehern in den Toren,
Bis die Edeln zum Turniere nahn,
Keine Doggen, treu, und auserkoren,
Schmiegen sich den blanken Panzer an.
 
Bei des Hiefhorns schallendem Getöne
Zieht kein Fräulein in der Hirsche Tal,
Siegesdürstend gürten keine Söhne
Um die Lenden ihrer Väter Stahl,
Keine Mütter jauchzen von der Zinne
Ob der Knaben stolzer Wiederkehr,
Und den ersten Kuss verschämter Minne
Weihn der Narbe keine Bräute mehr.
 
Aber schaurige Begeisterungen
Weckt die Riesin in des Enkels Brust,
Sänge, die der Väter Mund gesungen,
Zeugt der Wehmut zauberische Lust,
Ferne von dem törigen Gewühle,
Von dem Stolze der Gefallenen,
Dämmern niegeahndete Gefühle
In der Seele des Begeisterten.
 
Hier im Schatten grauer Felsenwände,
Von des Städters Blicken unentweiht,
Knüpfe Freundschaft deutsche Biederhände,
Schwüe Liebe für die Ewigkeit,
Hier, wo Heldenschatten niederrauschen,
Traufe Vatersegen auf den Sohn,
Wo den Lieblingen die Geister lauschen,
Spreche Freiheit den Tyrannen Hohn!
 
Hier verweine die verschlossne Zähre,
Wer umsonst nach Menschenfreude ringt,
Wen die Krone nicht der Bardenehre,
Nicht des Liebchens Schwanenarm umschlingt,
Wer von Zweifeln ohne Rast gequälet,
Von des Irrtums peinigendem Los,
Schlummerlose Mitternächte zählet,
Komme zu genesen in der Ruhe Schofl.
 
Aber wer des Bruders Fehle rüget
Mit der Schlangenzunge losem Spott,
Wem für Adeltaten Gold genüget,
Sei er Sklave oder Erdengott,
Er entweihe nicht die heilge Reste,
Die der Väter stolzer Fufl betrat,
Oder walle zitternd zu der Feste,
Abzuschwören da der Schande Pfad.
 
Denn der Heldenkinder Herz zu stählen,
Atmet Freiheit hier und Männermut,
In der Halle weilen Väterseelen,
Sich zu freuen ob Thuiskons Blut,
Aber ha! den Spöttern und Tyrannen
Weht Entsetzen ihr Verdammerspruch,
Rache dräuend jagt er sie von dannen,
Des Gewissens fürchterlicher Fluch.
 
Wohl mir! dafl ich süssen Ernstes scheide,
Dafl die Harfe schreckenlos ertönt,
Dafl ein Herz mir schlägt für Menschenfreude,
Dafl die Lippe nicht der Einfalt höhnt.
Süssen Ernstes will ich wiederkehren,
Einzutrinken freien Männermut,
Bis umschimmert von den Geisterheeren
In Walhallas Schoss die Seele ruht.
 
Ich wünsche uns viele Freuden auf unserem Ausflug!
Vergesst nicht den Schirm, und etwas zu naschen und zu trinken für die Busfahrt.
Und vielleicht hat jemand ein Lied dabei!

Samstag, 07.05.2016

Abfahrt: 
Überlingen ZOB  8.00 Uhr
Leustetten, Gasthaus Löwen  8.30 Uhr

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