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17. April 4. Lesung  _  Altes Schulhaus - Rathausweg 1 - 19.30Uhr

Antonio Timpano

"Am Schatten der Einsamkeit" romanhafte Erzählung

Vorwort der Herausgeberin

 

Am Schatten der Einsamkeit  nennt der gebürtige Italiener Antonio Timpano seine romanhaften Erzählung. Der Leser wird stutzig, ist doch die Formulierung am Schatten in der deutschen Sprache gänzlich ungewöhnlich. Denn was in der italienischen Sprache üblich ist und eine feine sprachphilosophische Nuance darstellt, wird im Deutschen nicht verwendet – es heißt hier im Schatten. An dieser Stelle wird sichtbar, wie schwierig es ist, Poesie und Prosa zu übersetzen. Am Rande bedeutet an der Peripherie, an der Grenze. Akzeptiert man „Schatten“ als Metapher, so wird die Absicht des Autors klar.

     Ihm geht es einerseits um die Freiheit der Entscheidung, in der Schatten hinein zu gehen und Einsamkeit zu erleben, oder sich von ihm abzuwenden. Es geht ihm andererseits aber auch um die Macht und den Übergriff des Schattens auf das Individuum, welchen dieser auf die Schicksale der Handlungsträger ausüben kann. Und es geht dem Autor weiterhin nicht nur um den äußeren, sondern auch um den inneren Schatten der Seele bei seinen Handlungsträgern.

 

Mehrere Figuren platziert er rund um den „Schatten der Einsamkeit“ wie auf einer Art Bühne, sie agieren miteinander, gegeneinander. Zwei Hauptakteure sind rasch ausgemacht: Samantha und Remo. Sehr schnell begreift der Leser, dass sich hier eine kleine Tragödie abspielt. Da lieben sich zwei junge Menschen und sind nicht in der Lage, sich ihre Zuneigung einzugestehen.

     Auf den ersten Blick ist es eine banale, alltägliche Begebenheit, die der Autor erzählt. Bei näherer Betrachtung aber wird klar: Hier zeigt A. Timpano exemplarisch auf, wie sich Einsamkeit auf einzelne Menschen auswirken kann.

     Der Leser erlebt kein happy end.

Und damit trifft der Autor den Kern der Problematik: Einsamkeit ist und bleibt ein Teil eines jeden Menschen selbst. Von Bedeutung ist, wie der Mensch damit umgeht, wie er selbst mit seiner Einsamkeit fertig wird.

     Die Psychologie kennt vier Typen und mehrere Umgangsformen mit der Einsamkeit. A Timpano spielt mit diesen Fakten und lässt seine Figuren über dieses Phänomen dialogisch oder durch inneren Monolog reflektieren. Seine Sprachcollage bringt dies auch bildlich zum Ausdruck. Er setzt die Erzählung aus mehreren Kapiteln, quasi „fragmenthaft“ zusammen.

 

Vor vielen Jahren hat er die Erzählung geschrieben. Sicherlich zeigen sich in weiten Teilen und in verschiedenen Figuren autobiografische Züge.

     A. Timpano emigrierte 1965 nach Deutschland und erlebte die Trennung von seiner vertrauten Heimat und von seiner Mutter samt Geschwistern als große Einsamkeit. Das Empfinden eines heranwachsenden Menschen ist sinnlich, weich und prägbar, und so ist es nicht verwunderlich, dass er als junger Mensch diese Eindrücke in aller Schärfe erleben konnte. Weiterhin war das sonnenarme, neblige Deutschland für ihn als Italiener ganz sicher oft im wahrsten Sinne des Wortes kalt und oft auch trostlos.

Einsamkeit ist ein menschliches Grundgefühl, das mit dem schmerzlichen Empfinden von Verlust einhergeht. Antonio Timpano hat es erlebt und musste es verarbeiten. Dies hat er auch literarisch vollbracht. In seinem Essay „Beunruhigung am Bodensee“ ist ihm ein großer Wurf gelungen. Er erhielt den Preis des SDR 1997, der die Thematik des Gastarbeiterdaseins zum Thema hatte.

 

Mit seiner Erzählung und seinem gesamten literarischen Schaffen hat A. Timpano die positive Seite der Einsamkeit aufgezeigt und verwirklicht. Denn die Einsamkeit gilt „als die Mutter aller Kunst“. Ohne Einsamkeit und Rückzug bleibt Kreativität im Äußerlichen und Oberflächlichen haften. Erst in der Leere und aus der Leere heraus kann Neues, Kreatives wachsen. Und so gesehen, kann auch die Einsamkeit zu einer neuen Heimat werden. Sie kann Sicherheit geben und schöpferisches Tun fördern. Und gleichzeitig kann sie auf diesem schöpferischen Feld neue und erneuerbare Kontakte zu anderen Menschen möglich machen und so die Schwere des einsam Seins mildern.

 

Dodo Wartmann

1. Vorsitzende

Linzgau Literatur Verein e.V.

Foto unten Gerards Schwäbische Zeitung

 

4.Lesung, April, 2015 Antonio Timpano

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